Fahren auf dem Pad

Der größte Teil der Straßen Namibias besteht aus Pads. Das sind meistens recht gut ausgebaute Schotterstraßen. Genau: Schotter! Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 100 km/h festgelegt. Das ist aber ziemlich utopisch. Der gemeine Westeuropäer wird sich bei dieser Geschwindigkeit eher ins Grab fahren, als sein Tagesziel zu erreichen. Eins muss man bedenken: wie ein Farmbesitzer süffisant in einem Gespräch bemerkt: passiert irgendwas, ist man kaputt. So einfach ist das. Bei nur 2 Mio Einwohnern ist Namibia das Land, das weltweit die geringste Bevölkerungsdichte aufweist. Dementsprechend einsam ist es auf den Pads. Man kann 300 km fahren, ohne nur einem Auto zu begegnen. Und das ist einsam. Quasi eine neue Definition von Einsamkeit. Ein schwerer Unfall und dann heißt es nur noch: "Spiel mir das Lied vom Tod". Die Hinweise des Auswärtigen Amtes sind zwar sicherlich ein wenig übertrieben, aber im Grundsatz stimmen sie! Ich halte 70 bis 80 km/h für die Durchschnittsgeschwindigkeit, die man erreichen kann.

Folgendes kann man sich aber merken:

1. Fahren auf einem Pad ist spannend

Es gibt keine Straßenanpassungen an die Umgebung. Dass bedeutet, dass jeder kleine Hügel befahren wird, erst rauf, dann wieder runter. Namibia ist teilweise sehr hügelig und man weiß eigentlich nie, was einen hinter dem nächsten Hügel erwartet. Es kann sowohl eine Kurve sein, es kann aber auch ein Stückchen Sandstrecke sein, es können Tiere sein, es kann ein liegen gebliebenes Fahrzeug sein, es kann aber auch einfach nur geradeaus weitergehen.

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2. Achte auf die Beschilderung

Dem gemeinen Mitteleuropäer wird es den Angstschweiß auf die Stirn bringen. Die Straßenbeschilderung ist sehr spärlich und er wird sie verzweifelt suchen. Eigentlich sind Schilder nur an Kreuzungen vorhanden. Reduzierung auf das Nötigste. Wenn also zwischen zwei Padkreuzungen 100 km liegen, dann wirst Du auf eine Strecke von 100 km vergeblich Schilder suchen. Das kann einen schon zur Verzweifelung bringen. Achte also immer auf deinen Kilometerstand und nutze eine gute Karte.

3. Padfahren verleitet zu Leichtsinn

Spätestens nach drei Tagen auf dem Pad hält sich der gemeine Mitteleuropäer für den ungekrönten Padkönig. Ich kann Dir versprechen: Du bist es nicht. In Deinem Aufenthalt in Namibia wirst Du jede Sorte an Schotter kennen lernen: grober Schotter, feiner Schotter, gemischter Schotter, mit Sand versetzter Schotter, sandige Schotterpisten und dann noch Mischungen daraus. Ich kann Dir versprechen: selbst am letzten Tag auf dem Pad wirst Du bestimmt noch eine neue Unterart des Padbelags kennen lernen.

4. Fahren auf einem Pad ist abenteuerlich

Ein Pad besteht aus dem Straßenbelag, der gerade verfügbar ist. Und das kann je nach Bodenbeschaffenheit Schotter oder durchaus auch Sand sein. Nichts ist abenteuerlicher, als wenn man mit 80 km/h über den Pad heizt und aus Schotter urplötzlich eine Sandpiste wird. Der Adrenalinausstoß wird bisher unerreichte Höhen erreichen, wenn man versucht, das Auto in der Spur zu halten. Zumindest bei dem gemeinen Mitteleuropäer.

Abenteuerlich ist auch, wenn man irgendein Hindernis erkennt und plötzlich abbremsen muss. Vollbremsungen auf einem Pad sind sehr abenteuerlich. Der Adrenalinausstoß des gemeinen Mitteleuropäer wird in die Höhe schnellen. Hindernisse können sein: Ziegen, Springböcke, Vögel und Änderungen der Padbeschaffenheit. Ein kurzes Wort zu unseren gefiederten Freunden: die sind total bekloppt in Namibia. Jeder es ja schon ansatzweise von zuhause: Vögel haben eine Neigung zum Suizid. Sie fliegen grundsätzlich immer VOR einem Auto über die Straße. Das ist in Namibia deutlich verschärfter. Es scheint so, als ob Vögel in einem Kamikazeflug auf Autos Jagd machen. Trotz vielfältiger Ausweichmanöver und harten Bremsungen sind mir auf unserem Weg drei Vögel vor die Windschutz- und Seitenscheibe geflogen. Ausweichmanöver auf einem Pad sind definitiv unspaßig.

5. Fahren auf einem Pad ist anstrengend

Nimm Dir Zeit! Du bist im Urlaub. Und unterschätze auf keinen Fall die Entfernungen. Du weißt nie, wie gut der Pad ist, auf dem Du Dich Deinem nächsten Ziel näherst. Wenn Du Glück hast, kannst Du durchaus auf gerade Strecken 100 km/h fahren. Es kann aber auch sein, dass der Pad so schlecht ist, dass 50 km/h gerade die für den gemeinen Mitteleuropäer zu verantwortende Höchstgeschwindigkeit darstellt. Fahren auf dem Pad beansprucht Deine volle Aufmerksamkeit. Du weißt nie, ob nicht gleich doch ein Stückchen Sandstrecke kommt. Kommt ein interessanter Landabschnitt, halte lieber an und genieße den Augenblick.

6. Fahren auf dem Pad macht Spaß

Es stimmt. Auch wenn es anstrengend, nicht ungefährlich und nicht immer einfach ist, macht Fahren auf dem Pad wirklich Spaß. Zumindest eine zeit lang. Irgendwann sehnt sich der gemeine Mitteleuropäer dann doch die geteerte Straße zurück ;)

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