09. Tag (29.09.2007): Savuti Game Drive

Gegen 2h morgens wachen wir auf. Etwas wühlt in unserem Müll. Leider haben wir nur unsere Kopflampen im Zelt und die Taschenlampe im Auto gelassen, so dass wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, wer unsere Nachtruhe jäh gestört hat. Es fühlte sich von dem Schein der Kopflampe gestört und trollte sich. Der Form und der Gangart nach könnte es ein Honigdachs sein. Ich schätze, dass wir es in der kommenden Nacht genauer herausfinden können :)

Heute wollten wir vor Sonnenaufgang am Wasserloch sein und die Tiere beobachten. Der Wecker war gestellt und klingelte. Allerdings knackte es heftig im Gebüsch nahe des Autos und zwei Elefanten kamen hervor, bevor wir uns aus dem Schlafsack schälen konnten. Obwohl unser Auto schon echt hoch ist und wir eine recht hohe Gesamthöhe mit dem Zelt haben, überragten beide Elefanten uns nochmals um einiges. Den Fußspuren nach zu urteilen, die wir anschließend untersucht hatten, war der Abstand zwischen Auto und den riesigen Tieren etwa drei Meter. Eines der vielen Besonderheiten dieser mächtigen Tiere ist, dass man sie beim Laufen nicht hört. Das liegt an der Konstruktion ihrer Füße.

Wir warteten, bis sie zur benachbarten Campsite gegangen sind (ca. 100-150m) und standen dann auf, um schnell das Zelt abzubauen und uns in Richtung Wasserloch aufzumachen.

Elefanten in SavutiElefanten in SavutiDort angekommen waren bereits Elefanten dort, um in dem fast versiegten Wasserloch noch die letzten Tropfen zu ergattern. Die Stimmung unter den Elefanten empfanden wir zunehmend als gereizter.

Elefanten in SavutiWildhunde in SavutiUnd dann wurde es richtig spannend. Zunächst kam ein Rudel Wildhunde an das Wasserloch. Dass wir in Savuti die seltenen Wildhunde sehen, hatte ich nicht geglaubt. Aber hier waren sie nun und haben versucht, zwischen den Elefanten an das Wasser zu kommen. Dabei gingen die Leithunde vor, der Rest des Rudels blieb in einige Entfernung stehen und wartete auf ein Zeichen.

Dann ging alles sehr schnell. Eine Löwin kam in geduckter Haltung an, nahm die Fährte zu ihrem Opfer auf und schlug zu! Wenige Sekunden später war ein Wildhund in ihrem Maul. Die anderen Hunde des Rudels versuchten noch, das erlegte Tier zu befreien, aber da war es bereits leblos im Maul der Löwin. Die Geschwindigkeit, zu dem die Löwin fähig war, war extrem beeindruckend. Spätestens hier wurde jedem Zuschauer bestimmt klar, wieso es gefährlich hier im Busch ist. 

Löwin in SavutiLöwin in SavutiLöwin in Savuti

 

Negativ aufgefallen sind uns nur die Menschen. Wie eine Horde Wilder wurden alle Wagen gestartet und die Fahrer sind wie geisteskrank der Löwin hinterher geprescht. Sinnlos, denn sie hat sich schnell mit ihrer Beute im Dickicht verzogen. Die Art und Weise, wie dies geschah, empfanden wir insgesamt eher abstoßend. Natürlich, jeder Reisende hat viel Geld für die Reise bezahlt, um genau so etwas zu sehen. Wieso reicht das Gesehene nicht aus? Sensation Seeking in Reinkultur.  

Elefanten in SavutiNoch beeindruckt von dem Erlebten fuhren wir weiter zu einem südlich gelegenen Wasserloch. Dort war offensichtlich noch genug Wasser vorhanden und eine sehr große Anzahl Elefanten waren darum versammelt. Es gingen und kamen Elefanten aus allen Richtungen; es war ein ständiges Kommen und Gehen.*

Vogel in SavutiIrgendwann wurde es sowohl für die Tiere als auch für uns zu warm. Wir zogen uns zum Camp zurück. Langsam gibt es bei uns auch so etwas wie ein Ritual. Die "Siesta" nutze ich, um die Bilder des Vorabends und des Vormittags auf das MacBook zu ziehen und das übliche Procedere durchzuführen: Geokkodinaten in die EXIF-Daten der Bilder schreiben und ab in Aperture zur Verwaltung. Daneben ist Zeit genug, den Reisebericht zu schreiben. Ziellos in der Gegend herumzufahren, macht bei diesen Temperaturen keinen Sinn. Die Tiere haben sich in den Schatten verzogen und der liegt nicht zwangsweise ausschließlich am Wegesrand. Nach 8 Tagen hier in Afrika sind es bereits knapp 2500 Bilder. Wo soll das noch enden? :) 

Auf der Nachmittagspirschfahrt sind uns zwei Löwen begegnet, die schlafend im Dickicht lagen. Da es in der Nähe des Risses am Vormittag war, könnten es dieselben Löwen gewesen sein, die jetzt ihr Verdauungsschläfchen hielten. 

Als ich von der Dusche zurückkam, berichtete mir Kristin, dass zwei Elefanten unser Camp besucht hatten und sehr (!) dicht an ihr vorbeigegangen seien. Sie hatte schon vorsichtshalber die Lebensmittel wieder in den Wagen geräumt. Die Elefanten in Savuti scheinen aber sehr gutmütig zu sein. Sie sind neugierig, aber ziehen dann wieder ihres Weges. So auch dieses Mal.

Nachthimmel in Savuti

anm. Kristin: * ... Viele einzelne Elefantenfamilien mit ihren Kleinen zogen dabei an uns vorüber. Es war toll, den Elefantenkindern beim Trinken und Spielen zuzusehen. Den noch besseren Überblick auf das Wasserloch und das Gewusel bekamen wir vom Dachzelt aus, zu dem wir hoch geklettert sind. Das seltsame "Tier" da oben auf dem Wagen wollte sich ein Elefant dann wohl auch mal von Nahem ansehen, und kam auf unser Auto zu, während Holger oben saß und - ich vermutete - in aller Seelenruhe las. Ich hatte ein ziemlich mulmiges Gefühl, weil ich nicht wusste, wie der Elefant drauf war, als er auf Holger offensichtlich so hinunterblickte und ich unten im Auto nicht wusste, ob sich Holger seines neugierigen Freundes über ihm überhaupt bewusst war, bevor er sich erschreckte und damit womöglich auch den Elefanten. Aber dieser kuckte nur und ging dann wieder  .... Holger hatte im übrigen alles mitgekriegt und war sich von vorneherein sicher gewesen, dass er nicht aggressiv war ... hätte nur noch gefehlt, dass es sagt, dass er nur spielen wollte ;-). ... jedenfalls war ich doch um einiges beruhigter, als Holger wieder ins Wageninnere schlüpfte. ... Aber gerade diese Erlebnisse sind es ja, in denen man die tiere und ihr Verhalten besser kennen und einschätzen lernen kann! Sie sind spannend und wunderschön zugleich! Und sowieso mag ich speziell Elefanten von Tag zu Tag mehr!!  - Es sind tolle Tiere! Sanft und stark zugleich!

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